ZUR ERINNERUNG AN EINEN GANZ BESONDEREN MENSCHEN
  Ein Jahr ist vergangen..
 

Ein Jahr ist vergangen...

  

in diesen Monaten habe ich versucht raus zu finden, wie denn mein Kind in Wirklichkeit war.

 

Die Frage warum und was da passiert ist treibt mich dazu.

 

Es ist wie ein innerer Zwang.

 

In stundenlangen Gesprächen mit seinen Freunden, in Briefen, in welche ich wie in einem Buch gelesen habe, Spuren die er im Netz hinterlassen hat und natürlich meine innere Stimme und das was mein Herz sagt, dass alles versuche ich zu sortieren um mir ein Bild von Andreas zu machen und um zu erfahren wie es zu dem Unglück kommen konnte.

 

Und ich weiß, dass an dem Unglück Andreas nicht allein Schuld hat.

 

In den Monaten habe ich sehr viel über Andreas erfahren, ich habe erlebt wie um Andreas getrauert und wie sehr er vermisst wird.

 

Ich habe große Anteilnahme erfahren. Aber leider auch manchmal Unverständnis.

 

Ich weiß, dass es unter seinen Freunden, auch solche Freunde gibt, welche ihn nie vergessen werden. Und sicherlich wird das Leben auch ohne Andreas weiter gehen- bloß wie ?!

 

Andreas war ein guter Sohn, auch wenn es manchmal nicht so schien. Aber manchmal scheint es anders als es ist. Und manchmal ist es anders als es scheint.

 

Andreas schien immer sehr hart zu sein, aber im Innern hat auch er einen weichen Kern gehabt.

 

Die Liebe zu einer Frau hat ihn mit Sicherheit stark geprägt, aber er wollte stark sein und es sich nicht anmerken lassen.

 

Was danach kam, denke ich, war in Wirklichkeit nicht ernst zu nehmen.

 

Allerdings war da noch eine Frau, wo ich denke, dass sie sein Herz berührt hat .

 

Und sie hätte ihn vielleicht seine große Liebe „vergessen“ lassen...

 

Als ich ihn im Januar 08 mal danach gefragt habe, was denn nun daraus geworden ist, sagte er :“...ach Mutti ,das ist so kompliziert...“

 

Ich habe nicht weiter danach gefragt, was ich heute stark bereue.

 

Sicherlich gibt es Leute, die mich immer ein bisschen bemitleidet haben, weil Andreas eben ein bisschen lebhaft war.

 

Aber so wie Andreas war - so war er mein Sohn und so war er perfekt und ich hätte ihn auch gar nicht anders haben wollen!

 

Die Zeit mit Andreas hat mich verdammt stark werden lassen und nur deshalb kann ich mir erklären, dass es mir eigentlich den Umständen entsprechend “gut“ geht.

 

Was wäre, wenn Andreas ein lieber, folgsamer Sohn gewesen wäre? Der vielleicht wöchentlich zum Chor gegangen wäre und seine Freizeit mit  singen und basteln verbracht hätte...wäre er da noch bei mir?

 

Vielleicht waren die anstrengenden Jahre nur eine Vorbereitung auf den ganz großen Schmerz? Vielleicht ist wirklich jedem sein Schicksal vor bestimmt?

 

Eine Antwort wird es wohl nie darauf geben.

 

Andreas hatte immer viele Freunde, die sich doch manchmal sehr unterschieden.

 

Aber eins scheinen sie eben gemeinsam zu haben, den Zusammenhalt, die Gabe echte Freunde auch zu sein.

 

Die meisten Freunde habe ich leider erst nach dem Unglück kennen lernen dürfen.

 

Ich wollte wissen, was es für Freunde sind und ich habe einige kennen gelernt.

 

Wie sind sie?

 

Sie gehen Arbeiten, manche haben  Familie ,feiern, trinken, rauchen, pöbeln und manchmal sind sie auch in Schlägereien verwickelt und mit Sicherheit möchte manch eine Mutter sie nicht als Freunde sehen.

 

Doch ich bin stolz, dass Andreas diese Freunde hat. Denn eins haben die Freunde mir gezeigt:

 

ES GIBT SIE NOCH - EINE WAHRE FREUNDSCHAFT, WO EINER FÜR ALLE UND ALLE FÜR EINEN STEHEN. DIE SICH AUCH MAL STREITEN UND PRÜGELN UND DOCH ZUSAMMEN HALTEN.

 

Und mag manch einer schlecht reden, aber in der Not erkennt man seine wirklichen Freunde.

 

Die Erfahrung musste ich leider auch machen, von einem guten Freund total verraten und versetzt wurden zu sein. Aber das Gute daran ist, es tut nicht weh!

 

Schade nur um die Zeit, die man sinnlos verplempert hat.

 

Ein Jahr ohne Andreas, ohne sein Lachen, seine „Wahnsinnsaktionen“,  seine Stimme, seine Wünsche...

 

Die Nachricht, die Beerdigung und der ganze Stress...der Tod von meinem Hund Harry, Ed und Bolte..., dass alles innerhalb von 10 Monaten ist hart.

 

Ich habe es überlebt!

 

Aber am härtesten ist es, nicht zu wissen, was da wirklich passiert ist.

 

Ich gebe niemandem die Schuld außer dem Alkohol. Und ich bin mir sicher, ohne Alkohol wäre das Unglück nie passiert.

 

Sicherlich habe ich mir auch anhören müssen,...das ja die Freunde  auch trinken und wenn und hätte...das ist alles Quatsch!

 

Denn Andreas hat sich wohl von niemand beeinflussen lassen.

 

Wie Biene schon richtig schrieb:..er machte was er wollte...

 

Ja, die Biene...manchmal frage ich mich, warum sie nicht mit Andreas zusammen war.

Sie die ihn so gut beschreiben kann- sie die weiß wie er tickte...aber es ist wie es ist und  ich bin froh mit meinem Schmerz nicht allein zu sein.

 

Dann war da noch das Mädchen Diana, in ihrer Wohnung ist das Unglück passiert, aber sie hat nichts mitbekommen....

 

Ich hätte gern zu ihr Kontakt gehabt, aber sie lehnt es ab.

 

Seit diesem Unglück ist alles, aber auch alles anders geworden. Und immer diese elende Trauer und dieser elende Schmerz der nie vergehen will.

 

Andreas ist immer und überall dabei –jedenfalls in Gedanken.

 

In diesem Jahr habe ich auch andere Schicksale kennen gelernt.

 

 Es gibt viele solche „Erinnerungsseiten“, die habe ich vorher noch nie gesehen.

 

Und so hat das Jahr mir auch viel Neues gebracht.

 

Ich habe viele Geschichten über Andreas gehört und ich weiß, dass er „einmalig“ war.

 

Aber ist nicht jeder Mutter ihr Kind „einmalig“?

 

Andreas sein Tod berührt viele und die Liebe und Freundschaft zu Andreas wird wohl  bei vielen nie in Vergessenheit geraten.

 

Allerdings habe ich es in dem einem Jahr gerade einmal allein geschafft auf dem Friedhof/Garten zu gehen.

 

Ich muss ja auch nicht allein gehen, denn es wird immer jemand da sein der mich begleitet.

 

Meist ist es mein Zwilling Birgit. Sie versucht wirklich alles, damit ich mit dem Schicksalsschlag fertig werde.

 

Nun habe ich auch viele Mütter kennen gelernt, welche dasselbe Schicksal haben. Und wenn ich dann erlebe, dass es bei manchen schon viele Jahre her ist und sie immer noch in Tränen aus brechen, wird mir Angst.

 

Denn ich weiß,  mir wird es genau so gehen.

 

Ich war keine „Übermutter“ und Andreas hat sein eigenes Leben geführt, aber jetzt wo er nicht da ist fehlt er mir so.

 

Und sicherlich gibt es dann die Floskeln: „ ...er ist ja da, aber eben nur woanders...“

 

Aber ehrlich gesagt, glaube ich es eben doch nicht und wenn es wirklich so ist, dann tröstet es mich nicht .

 

Ich möchte das er wieder hier ist und sein Unfug treibt !!!!!

 

„...Nach einem Jahr wird alles besser...“

 

Es wird nichts besser nur anders und so werde ich wohl dann auch das zweite, dritte usw. Jahr ohne Andreas weiter leben müssen.

 

Andreas war nicht mein Leben, aber ein Leben ohne ihn sollte nicht mein Leben sein.

 

 

 
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